Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Band 72

Vor Ort, in der „Heimat“, regionale Individualität, verlustig gegangene Identität und „stille Größe“ im (un)scheinbar Kleinen und Gemeinsamen wiederfinden? Erkenntnis in Einkehr und Rückzug statt Abkehr vom Wesentlichen und Durchzug von globa(nal)em Einerlei? So etwa ließe sich der Tenor des Vorwortes von Daniel Karch im soeben erschienenen Mainfränkischen Jahrbuch 2020 der „Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V.“ zum denkwürdigen „Corona-Jahr“ 2020 weiterführen.

Zunächst folgt diesem nachdenklichen Auftakt ein Nachruf auf Hatto Kallfelz, den 2017 verstorbenen langjährigen Direktor des Staatsarchivs, Ehrenmitglied des Vereins und ehemaliger Schüler des bekannten Landeshistorikers Karl Bosl. Die umfangreichen Abhandlungen reichen auf knapp 200 Seiten und weit über 1000 Jahre hinweg chronologisch von Kilian und der Frühzeit des Bistums (Theodor Ruf, S. 13–94) bis in die 1930er Jahre zu den Erinnerungen des Komponisten Wilhelm Keilmann an seine Studienzeit am Konservatorium in Würzburg (Ulrich Konrad, S. 237–278). Was genau es denn mit dem heute nicht mehr geläufigen „Ausschusswesen“ im ehemaligen Hochstift nach Eibelstadter Aufzeichnungen oder auch mit dem „Bombardement von Würzburg“ im Mainfeldzug von 1866 auf Gemälden von Johann Wilhelm Cordes auf sich hat, das und die nötigen militärgeschichtlichen Hintergründe erfahren wir in den Beiträgen von Franz Schicklberger (S. 95–122) beziehungsweise Wolfgang Bühling (S. 123–148). Im Fokus stehen aber auch Persönlichkeiten wie die der Franziska Rosenberger im Behördenstreit der Memmelsdorfer „Handelsjuden“ nach dem Judenedikt von 1813 (Ina Karg, S. 149–173), die der Geschwister Amling auf gemalten Porträts im Museum für Franken (Wolfgang Kümper, S. 175–194) und die des Malers Johann Zick, besser gesagt dessen Humor und Erfindungsgeist in Fresken und einer geheimnisvollen „vertikalen kopernikanischen Planetenmaschine“ (Reiner Schulz, S. 195–236). Zum Ausklang zurück vom All zum Schall und dem Beitrag von Dieter Kirsch zur Rolle der Musik und ihrer Unterrichtung am Würzburger Gymnasium im 19. Jahrhundert (S. 279–310).

Die kürzer gehaltenen Miszellen im Anschluss behandeln die ungeklärte Herkunft des Barockbaumeisters Antonio Petrini (Margit Fuchs), das „Historische Lexikon Bayerns“ als landesgeschichtliches Nachschlagewerk (Bernhard Graf von Zech-Kleber), eine biographische Studie zu Anton Ruland (Stefan Peters) sowie das Script einer szenischen Lesung von Markus Grimm über diesen bedeutenden Würzburger Universitätsbibliothekar, Historiker und Handschriftenforscher, aber auch Theologen, Seelsorger und Landtagsabgeordneten. Diese Lesung hatte anlässlich des Festakts aus Anlass des 400jährigen Bestehens der Würzburger Universitätsbibliothek stattgefunden. Wie gewohnt folgen abschließend Anzeigen und Besprechungen zu den interessantesten (nicht nur regional-) geschichtlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt sowie allerlei Wissenswertes aus dem Vereinsleben.

Der Band ist im Buchhandel erhältlich sowie bei der VDS-Verlagsdruckerei Schmidt (Nürnberger Str. 27–31, 91413 Neustadt an der Aisch, Tel.: 09161/8860-0, https://www.verlagsdruckerei-schmidt.de).

Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Band 72 (= Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg, Band 143), Schriftleitung Dr. Daniel Karch, Neustadt a. d. Aisch 2020, ISBN 978-3-949015-00-7.

Peter Kolb: Wappen in Würzburg, Mainfränkische Studien 90

Der Autor der Publikation hat im Jahre 1974 mit seinem Buch „Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe“ erstmals eine systematische Untersuchung über die rund 35 von den Würzburger Landesherren geführten Wappen vorgelegt. Die nunmehr präsentierte Darstellung der „Wappen in Würzburg“ zeichnet mit über 500 Exemplaren das heraldische Erscheinungsbild der Altstadt und der Festung Marienberg. Was also in Kirchen oder an ihren Außenwänden, an den Befestigungsanlagen in der Stadt oder auf dem Marienberg, an Gebäuden, Denkmälern oder auf der Alten Mainbrücke die Vergangenheit an heraldischen Zeugnissen hinterlassen hat, sollte der aufmerksame Betrachter in dem Buch finden.

Die Wappen wurden vom Autor auf der Basis fotografischer Aufnahmen mit einer digitalen Illustrationssoftware neu gezeichnet. Es versteht sich von selbst, dass zahlreiche Wappen mit erläuternden Anmerkungen versehen wurden und ein ausführliches Register die Suche des Lesers erleichtert.

Peter Kolb: Wappen in Würzburg (= Mainfränkische Studien 90), Würzburg 2019, ISBN 978-3-88778-572-7.